Blickkontakt zum Baby

 

Alle Tragehilfen, bei denen die Blickrichtung nach vorne geht, sollten grundsätzlich gemieden werden, weil der Blickkontakt zum Baby besser ist. Punkt. Dazu schreibt die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Dr. Inés Brock in einem Plädoyer für das richtige Tragen:

Für die psychische Entwicklung ergeben sich Risiken, die beim Vis-á-vis-Tragen nicht vorkommen. Die Babys haben keinen Blickkontakt zur Mutter oder Vater und können somit nicht erkennen, was das Elternteil für mimische und verbale Rückmeldungen gibt. Säuglinge können gerade in einem Abstand von ca. 20-30cm am schärfesten sehen, was dem Abstand zwischen Brust und Gesicht entspricht. Ihnen fehlt somit eine wichtige primäre Kommunikationsgrundlage. Ohne face-en-face-Kontakt können Säuglinge nicht lernen Gefühle zu identifizieren und Sprache zu erkennen. Das ist aber gerade in der aufregend neuen Welt außerhalb der Wohnung eine wesentliche Entwicklungsressource.

Tragehilfen – mit Kindern mobil unterwegs

 

Ihr Baby tragen, ist für alle Eltern eine besondere Erfahrung. Klassische Tragehilfen wie Tragetücher oder moderne Tragesysteme sind für Babys besonders angenehm. Tragen fördert die Beziehung zu den Eltern und ist für das Kind sehr beruhigend, da ein enger Körperkontakt besteht. Somit ist enges Tragen für Eltern wie auch Kinder in jeder Hinsicht ein Gewinn. Die mobile Fortbewegung mit Kind ist eine wahre Alternative beziehungsweise Ergänzung zum Buggy/Kinderwagen sowie wesentlich günstiger. Letztere sind oft zu sperrig wenn es beispielsweise um die Bewältigung von Treppen geht und sie benötigen im Gegensatz zu Tragehilfen eindeutig mehr Platz.

Tragehilfe richtig einsetzen

Die häufigste Trageposition ist vor den Erwachsenen, seitlich auf dem Becken. Tragehilfen, Tragetücher oder Tragesysteme sollten sich mit ihrem Steg oder Boden knapp über dem Kniegelenk des Kindes befinden. Werden die Beinchen jedoch beim Tragen im Hüftgelenk gestreckt, dient dies nicht der positiven Entwicklung des Gelenks. Die beliebte Wiegeposition im Tragetuch sollten Sie lediglich in den ersten Tagen nach der Geburt nutzen.

Der Transport in Tragehilfen wird zudem zur sozialen Entwicklung befürwortet, da die Babys sich stets ‚mittendrin‘ befinden. Des Weiteren begünstigt aufrechtes Tragen die Verdauung, was besonders für Kinder mit Neigung zu Koliken geeignet ist. Werden Kinder oft eng am Körper getragen beruhigen sie sich schon allein durch die Bewegung, da sie spüren, dass Schutz durch die Erwachsenen besteht. Tragehilfen sind bei Naturvölkern und etlichen Hochkulturen aus diesen Gründen seit Langem Tradition. Das Tragen ist zudem wesentlich gesünder als ständiges Liegen.

Tragehilfen sollen stützen

Bei Tragetüchern handelt es sich um klassische Tragehilfen. Alternativ bieten sich jedoch innovative Tragesysteme an. Wichtig ist bei beiden Methoden der aufrechte Sitz, ohne einzusinken. Der Rückenteil der Tragesysteme sollte den Kopf stützen, da Säuglinge zu Beginn über keinerlei ausgebildete Nackenmuskulatur verfügen. Die Träger des Tuches/Tragesystems sollten Ihre Schultern nicht einschnüren. Zudem ist beachtenswert, dass die Materialien waschbar sowie schadstofffrei sind. Sitzt Ihr Kind in der optimalen Position, wendet es Ihnen sein Gesicht zu. Würde es in Ihre Blickrichtung sehen, wäre dies für seine gesamte Körperhaltung sowie die Gelenkentwicklung nicht förderlich.

Wie funktionieren Tragehilfen?

Die richtige Bindung der Tragetücher ist entscheidend. Hierfür gibt es zum Beispiel Tragekurse, die unterschiedliche Techniken vermitteln und der Fachhandel stellt Ihnen Beraterinnen zur Seite. Sie sollten jedoch mindestens die Anleitung für das gewählte Tragetuch sorgfältig lesen und/oder sich von Freundinnen/Bekannten die Technik zeigen lassen. Alternativ finden Sie online etliche Videos, die genau erklären, wie Tragetücher individuell gebunden werden.

Die Länge des Tragetuchs misst sich an Ihrer Körpergröße und der von Ihnen genutzten Wickeltechnik (beispielsweise Kreuz-Trage, Hüftsitz, Wickelkreuz-Trage oder Känguru-Trage). Normalerweise verfügen Tragehilfen als Tuch über 4,20 Meter und 5,20 Meter Länge. Soll die Hüft-Trageart eingesetzt werden, sind die Tücher etwa 3,20 Meter lang. Tragesysteme sind meistens für Kinder mit einem Mindestgewicht von 3,5 Kilogramm geeignet. Sollte Ihr Baby sich unterhalb dieses Gewichts befinden, ist ein Tragetuch zu Beginn sinnvoller.

Vor- und Nachteile des Tragens

 

Die Vorteile und Nachteile des Tragens von Babys

Vorteile:

  • Der Instinkt des Babys sagt ihm, dass es sicher ist, solange es Körperkontakt hält (Tragling). Das Baby ist zufriedener und schreit weniger. Dies deckt sich mit einer Studie von Urs A. Hunziker am Kinderspital Zürich, nach der Kinder, die getragen werden, auffallend weniger weinten als Kinder einer Vergleichsgruppe.
  • Das Kind ist nicht immer im Mittelpunkt, kann aber trotzdem alle Aktivitäten der Familie aktiv miterleben.
  • Bessere Mobilität: Wo man mit dem Kinderwagen große Umwege macht oder gar nicht durchkommt, hat man mit dem Tragetuch weniger Einschränkungen (Treppen, unbefestigte Wege, hoher Schnee, Wanderungen, öffentlicher Verkehr etc.)
  • Wärme und Bewegung werden bei Verdauungsproblemen (3-Monats-Koliken) von Babys empfohlen. Deshalb kann das Tragetuch da hilfreich sein.
  • Direkter Körperkontakt reguliert die Temperatur des Babys. Fieber kann so leicht gesenkt werden. (Funktioniert natürlich auch ohne den Einsatz eines Tragetuchs) Auch im Winter unter der Jacke getragen hat man so die Körpertemperatur des Kindes immer unter Kontrolle.
  • Beide Hände sind frei für andere Dinge wie Geschwisterkinder, Tiere, Haushalt, Arbeit etc.
  • Klein und praktisch zum Mitnehmen (im Vergleich zum sperrigen Kinderwagen)
  • Regelmäßiges Tragen fördert die Stärkung der Rumpfmuskulatur. Viele Eltern berichten, dass Rückenschmerzen nach einer gewissen Zeit zurückgehen oder ganz verschwinden. Der Trainingseffekt hilft Müttern auch, Gewicht aus der Schwangerschaft wieder loszuwerden.

Nachteile:

  • Man muss das (steigende) Gewicht des Kindes (er-)tragen.
  • Bei medizinischen Problemen (Bandscheibenvorfall o. ä.) ist es unter Umständen nicht möglich zu tragen. Mit dem behandelnden Arzt und einer ausgebildeten Trageberaterin abklären.
  • Sportliche Aktivitäten sind nur beschränkt möglich (alles, wodurch Stöße auf das Kind übertragen werden, etwa Lauftraining, ist zu vermeiden). Angebote die speziell auf getragene Babys ausgerichtet sind, gibt es aber (z. B. Nordic Walking mit Kind).
  • Ein Tragetuch oder eine Tragehilfe korrekt anzulegen, erfordert besonders am Anfang etwas Geduld. Es muss wie das Schuhebinden gelernt werden. Mithilfe einer ausgebildeten Trageberaterin lernt man die richtigen Handgriffe schnell und einfach.